IoT-Plattformen & wie man die Passende findet

Die Komplexität von IoT-Technologien, der hohe Implementierungsaufwand, sowie der Bedarf an Interoperabilität und Anpassbarkeit bieten zahlreiche Möglichkeiten für Hardware, Software und Service-Anbieter, Kunden End-to-End IoT Produkte und Services anzubieten [mehr dazu hier].

Will ein Unternehmen IoT- Potenziale für sich entdecken und nutzen, steht es vor der schwierigen Wahl der richtigen Plattform. Neben Gedanken zur eigenen IoT-Strategie und Geschäftsmodell, gilt es auch infrastrukturtechnische und entwicklungstechnische Fragen zu klären. Möchte man auf fertige Produkte und Services zugreifen, so spielt eine einfache Implementierung eine große Rolle. Möchte ein Unternehmen eigene IoT-Anwendungen entwickeln, so kann eine Plattform helfen, die Infrastruktur und Software-Schnittstellen bereitzustellen.

Plattformen als Ökosysteme
Bei der Überlegung, welche IoT-Plattform den Bedürfnissen des Unternehmens am besten entgegenkommt, sollte nicht nur der Anbieter selbst beleuchtet werden, sondern auch andere zu der Plattform beitragende Akteure. Im Zusammenhang mit Plattformen wird nicht umsonst so oft von Ökosystemen gesprochen: hier tragen mehrere Unternehmen zu der Endlösung, die wir nutzen, bei. Man denke an die Smartphone-Betriebssysteme Android und iOS, deren Angebot an Anwendungen im App Store von verschiedensten (auch externen) Entwicklern bereitgestellt wird.

Marktplatz für IoT-Produkte und Services

Diese Dynamik findet sich ebenso im IoT-Umfeld wieder. Als Unternehmen, das ein Problem zu lösen hat, fragt man sich also: für welche Plattform entscheidet man sich, auch in Hinblick auf die darüber verfügbaren Apps? Entwickelt man eigene Lösungen, um sie Kunden anzubieten, ist zu klären: Auf welcher Basis sollen diese entwickelt werden und auf welcher Plattform wird die Lösung den Endkunden angeboten? In welchem Ökosystem ist der Zugang zu nützlichen Anwendungen am besten, besonders einfach und effizient? Und was sind weitere Faktoren, die eine Plattform zu einem guten Ökosystem macht?

Im Folgenden soll zunächst erläutert werden, was eine IoT-Plattform grundsätzlich bieten muss und welche Anbieter es auf dem Markt gibt. Daran anschließend sollen die zu beleuchtenden Faktoren bei der Plattformentscheidung erläutert werden und zum Abschluss auf die Relevanz von Kooperationen innerhalb von IoT-Ökosystemen eingegangen werden.

Was muss eine IoT-Plattform bieten?
Anbieter von IoT-Plattformen kommen aus verschiedensten Bereichen: Sowohl herkömmliche Softwarefirmen, große Technologiefirmen, OEMs als auch etablierte Industrieunternehmen haben übergreifende IoT-Plattformen auf den Markt gebracht. Diese müssen, so BCG (Boston Consulting Group), das ganze Spektrum bieten: Konnektivität (um Systeme, Netzwerke und Devices automatisch zu verbinden), Daten-Speicherung und -Aggregation (um ihre Aussagekraft zu steigern) und eine breite Auswahl an nützlichen Anwendungen und Analyse-Tools. Vor diesem Hintergrund sollen sich Kunden ganz auf das bestimmte Nutzungsszenario konzentrieren können [mehr].

Anbieter auf dem Markt (Auswahl)
Dies bieten die meisten IoT-Plattformen auch alles, aber in verschiedenen Ausprägungen:

Während die einen den Fokus auf eine große Auswahl an fertigen End-to-end-Lösungen legen, die einen geringen Anpassungsgrad bei der Implementierung erfordern, steht bei anderen das Bieten einer guten Entwicklungsumgebung für eigene Anwendungen im Vordergrund.

  • General Electrics verfolgt den Ansatz, nicht mehr nur Industriemaschinen anzubieten, sondern mit seiner Softwareplattform Predix ein End-to-end Industrial-IoT-Betriebssystem mit großem Angebot an Analytics Tools [mehr].
  • Siemens hat mit seiner offenen IoT Plattform ‚MindSphere‘ eine ähnliche Ausrichtung, um Anwendungen und datenbasierte Services für Kunden bereitzustellen. Hier stehen offene Standards, Plug & Play, eine stabile Cloud-Infrastruktur und offene Schnittstellen im Vordergrund.
  • Mit der Azure IoT Suite deckt Microsoft das ganze Spektrum ab, angefangen bei Cloud-Storage, Machine Learning, einem eigenen OS für IoT Devices bis hin zu IoT Services. Darüber hinaus stehen Schnittstellen zur Entwicklung eigener Anwendungen bereit. Effizienz, Performance und fortschrittliche Datenanalysen stehen im Vordergrund [mehr dazu hier].
  • Einen ähnlichen Ansatz plus eigenem OS verfolgen Amazon Web Services sowie die Google Cloud Platform.
  • Auch die SAP HANA Cloud Plattform, Cisco IoT System und IBM Watson IoT Plattform bieten sowohl fertige Lösungen als auch Schnittstellen zur Eigenentwicklung. IBM verspricht Kunden mit der Watson IoT-Plattform bessere Performance und Senkung von Kosten, Entwicklung neuer Produkte und Geschäftsmodelle, sowie Verbesserung der Kundenerfahrung.
  • Bosch bietet IoT-Plattform mitsamt Betriebssystem komplementär zu den Geräten an, um sich als „full-service provider for connectivity and the internet of things” zu positionieren. Der Schwerpunkt liegt auf Security und Effizienz, Flexibilität, offene Standards und Open Source [mehr Infos hier].
  • Bei ThingWorx von PTC wird Flexibilität groß geschrieben: „PTC offers ThingWorx through numerous delivery models and does not have allegiance to any one cloud platform, making it more flexible for customers.“ [Link].

 

Wie entscheidet man sich für eine IoT-Plattform?

Die sehen doch alle gleich aus – Hinter welcher Tür steckt nun die passende Plattform für mich?

Bei der Plattformentscheidung sollte die eigene IoT-Strategie ausschlaggebend sein: welche Probleme sollen gelöst werden, wie ist die eigene IT aufgestellt, möchte man fertige Lösungen und/oder selbst entwickelte/ individuell angepasste (wie spezialisiert und in die Tiefe gehend soll es sein?), welche Nutzungsszenarien sind angedacht. Was sind die größten Herausforderungen, z.B. bei schlechter Konnektivität könnte Edge Computing relevant sein. Und welchen Nutzen verspricht man sich, bspw. sollten Datenanalysen an konkrete Ziele gebunden sein, um einen Nutzen zu haben.

Infrastruktur- und entwicklungstechnische Faktoren:
(Cloud-)Infrastruktur: hat die Plattform eigene Datencenter und Cloud-Infrastruktur? Besteht ihr Ansatz sowohl aus der hardware-technischen als auch der software-technischen Komponente?

  • Speicherung/Datenmanagement
  • Analytics-Funktionen
  • Security & Privacy: Authentifikation, Verschlüsselung, Monitoring Capability
  • Edge Process/Control: Ermöglichung von Edge Computing? Ist wichtig, wenn lokale Verbindung/Bandbreite unzureichend ist oder wenn lokale Entscheidungen schnell getroffen werden müssen.
  • verfügbare Anwendungen
  • Plug-&Play-Lösungen, kann man die Plattform/deren Anwendungen einfach in eigene genutzte Business Lösungen integrieren?

App-Entwicklungsumgebungen und Portablilität:

Wie sieht die Umgebung zum Entwickeln, Testen und Anbieten von Apps aus?

Lassen sich eigens entwickelte Apps auch in andere Plattformen überführen?

Pricing:
So wie sich die Ansätze und das Angebot der IoT-Plattformen unterscheiden, so sehr variieren auch deren Preise. Die einen kalkulieren nach ausgetauschten Datenmengen (bspw. Amazon), nach analysierten Datenmengen (IBM) die anderen nach Zeiträumen (Google rechnet pro Minute ab), manchmal gibt es eine bis zu einem bestimmtem Grad kostenfreie Nutzung (Microsoft) oder aber verschiedene gestaffelte oder individuelle Preismodelle.

Wie ist Kooperation geregelt? – Standards und Regeln zur Zusammenarbeit
Nicht nur technische Standards sind für eine erfolgreiche Zusammenarbeit wichtig, sondern auch Regeln der Zusammenarbeit: wie werden Haftung, regulatorische Probleme, Privacy, Gewinnbeteiligungen, etc. geregelt? Plattformübergreifende Standards können dies regeln und unter anderem das Verhandeln mit jedem einzelnen neuen Partner/Verkäufer zu vermeiden [mehr dazu hier].

Warum Kooperationen wichtig sind
In IoT-Ökosystemen herrschen verschiedene Arten von Kooperationen zwischen verschiedensten Akteuren. Ohne die Partner, die innerhalb der Plattform Anwendungen entwickeln, hätte auch der Plattformanbieter nichts von dem Betreiben einer (offenen) IoT-Plattform. Kooperation zwischen App-Anbieter und Kunde ermöglicht gegenseitiges Feedback und somit kontinuierliche Verbesserung.

Des Weiteren verbessern Plattformen Kooperation sowohl unternehmensintern als auch -extern, (beispielsweise zur verbesserten Ausschöpfung von Potenzialen der digitalen Wertschöpfungskette durch Vernetzung von Partnern [weiterführend: R. T. Kreutzer & K.-H. Land in „Digitaler Darwinismus: Der stille Angriff auf Ihr Geschäftsmodell und Ihre Marke“ (2016) S. 119]. Kreutzer und Land führen die Relevanz der Aufbrechung von Daten-Silos und eines verbesserten Informationsflusses innerhalb des Ökosystems auf, um Daten zusammenführen zu können und daraus Erkenntnisse abzuleiten [ebd. S. 121].

Die ideale IoT-Plattform ist nicht nur ein Marktplatz für IoT-Produkte und Services, sondern bietet auch ein Ökosystem zum Wissensaustausch und gegenseitiger Unterstützung:

Ermöglicht eine Plattform einen guten Zugang zum (Partner)Netzwerk, wie sind die Support-Möglichkeiten?

Welche Ressourcen (Webinare, Dokumentationen) stehen bereit, gibt es eine Community für Wissensaustausch? Mit dem ‚Microsoft Partner Network‘ vermittelt Microsoft beispielsweise Trainings, Webinare, Vernetzung von Partnern, ähnliches bieten auch andere IoT-Plattformbetreiber an.

Wie man sieht, ist die Frage nach der geeigneten IoT-Plattform nicht einfach zu beantworten. Festhalten lässt sich: Vor allen Dingen sollten die IoT-Strategie eines Unternehmens mit der Plattform kompatibel sein, die technischen Gegebenheiten passen, und Kollaboration und Wissensaustausch groß geschrieben werden.

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